ROKPA Frauenwerkstatt: Schritte in eine selbstbestimmte Zukunft

Um armutsbetroffenen Frauen und ihren Kindern eine bessere Zukunft zu ermöglichen, bietet ROKPA Frauen Ausbildungsplätze als Näherin und anschliessend eine Arbeitsstelle an. Ein fairer Lohn erspart ihnen ein Leben auf der Strasse und erlaubt ihren Kindern in die Schule zu gehen.

Die soziale Stellung von nepalesischen Frauen aus der unteren Bevölkerungsschicht ist von Abhängigkeit gekennzeichnet und beeinflusst die Lebenssituation ihrer Kinder. Die Frauen werden in der Regel sehr früh verheiratet, haben oft im Alter von 20 Jahren schon mehrere Kinder und somit keinerlei Bildungsperspektiven.

Mit zunehmender Kinderzahl werden sie in vielen Fällen von ihren Männern verlassen. Ohne Ausbildung haben sie kaum eine Möglichkeit, den Lebensunterhalt für sich und ihre Kinder zu bestreiten. So enden sie oft auf der Strasse, um zu betteln, oder nehmen sehr schlecht bezahlte Arbeiten an, wo sie ausgebeutet werden und kaum Zeit haben, sich um ihre Kinder zu kümmern. 

Momentan bietet die Frauenwerkstatt Platz für 10 Frauen. Nach Fertigstellung des Akong Rinpoche Memorial Centers kann diese Zahl verdoppelt werden.

Mehr Infos zur Frauenwerkstatt unter www.rokpaww.org

"Ich werde nie wieder in Not geraten!"

Zwei Mütter erzählen, wie sie nach arrangierter Ehe und brutalem Alltag zu neuem Lebensmut und einem selbständigem Leben gefunden haben – dank der ROKPA Frauenwerkstatt.

Lhamu Sherpa

«Ich wurde im ROKPA Frauenworkshop zur Näherin ausgebildet und bin dadurch in der Lage, für mich selber zu sorgen. Ich bin ROKPA sehr dankbar für diese Möglichkeit - aus eigener Kraft hätte ich mich und meine Kinder nie aus dem Elend befreien können.

Unsere Familie war sehr arm, es gab nicht genug zu essen und keine Kleider. Meine Eltern fanden es unnötig, mich in die Schule zu schicken. Früh wurde eine Heirat für mich arrangiert. Es war eine gute Ehe, ich war sehr glücklich. Als unsere Tochter zwei Monate alt war verstarb mein Mann plötzlich. Meine Schwiegereltern jagten mich und meine Tochter fort, da sie mir die Schuld am Tod ihres Sohnes gaben.

Die einzige Arbeit, die ich damals kannte war das Teppichknüpfen, so ging ich nach Kathmandu. Ich nahm meine Tochter mit zur Arbeit. Sie verbrachte den ganzen Tag in dem dunklen, staubigen Raum. Da es in unserer Gesellschaft eine alleinstehende Frau besonders schwer hat, nahm ich gezwungenermassen den Heiratsantrag eines Arbeitskollegen an. In den nächsten drei Jahren bekam ich drei Töchter. Mein Mann sorgte jedoch nicht für uns, und als er sich noch eine andere Frau nahm, verliess ich ihn.

Ich nahm die Teppicharbeit erneut auf, wusste aber nicht wohin mit meinen Kindern. Meine ältere Schwester hörte von ROKPA und meinte, ich solle dort um Hilfe bitten. Jetzt gehen meine Kinder zur Schule. Das Schulgeld wird von ROKPA bezahlt. Ich selbst arbeite im ROKPA Frauenworkshop. Allmählich vergesse ich die Schrecken meines bisherigen Lebens.»

Radika

«Ich bin taubstumm am Rande des Kathmandu-Tals geboren. Meine Familie lebte in einem traditionellen Lehmhaus. Wir waren sehr arm. Mein Vater war Schneider – mit acht durfte ich zu ihm in den Laden und er brachte mir das Handwerk bei. Er gab mir die einzige Ausbildung die ich habe. Niemand in unserem Dorf hatte genug Geld, um die Kinder zur Schule zu schicken.

Meine Mutter starb als ich zehn Jahre alt war. Mein Vater heiratete eine andere Frau bevor meine Mutter tot war. Danach hat sich alles geändert: Ich musste nun im Haus arbeiten, meine Stiefmutter war jedoch nie zufrieden. Sie schimpfte ständig, schlug mich und sagte, ich solle doch besser gleich das Haus verlassen, weil ich nutzlos sei. Ein Fluchtweg tat sich auf als für mich eine frühe Heirat arrangiert wurde. Ich war zwölf Jahre alt, mein Ehemann ungefähr fünfzehn. Ich hatte keine Ahnung, worum es ging. Meine erste Tochter wurde geboren als ich fünfzehn war. Ich hatte vier Kinder von meinem Ehemann, wurde jedoch sehr schlecht behandelt. Es war für mich besser alleine zu leben als mit einem brutalen, gewalttätigen Mann.

Nach der Scheidung ging ich in Kathmandu betteln ohne mich mit den Menschen unterhalten zu können - oft fühlte ich mich deswegen sehr einsam. Irgendwann sammelte ich meinen Mut und ging in die ROKPA Gassenküche. Ich hatte gehört, dass Mummy Lea (ROKPA-Mitgründerin Lea Wyler) Menschen wie mir helfen würde. Ich nahm meine älteste Tochter mit, um mit Mummy Lea zu sprechen. Sie wurde ins ROKPA Kinderhaus aufgenommen, wo sie eine Ausbildung bekommt. Dann wurde ich im Frauenworkshop angestellt und konnte die Fertigkeiten anwenden, die mir mein Vater beigebracht hatte.

Ich war endlich nicht mehr alleine; meine Kolleginnen wurden zu meinen Freundinnen. Sie fanden einen Weg, mit mir zu kommunizieren. Sie nennen mich "Meisterin des Schneiderns", weil ich das – dank meines Vaters strenger Ausbildung – sehr gut kann und ich deshalb als gute und erfahrene Arbeiterin gelte. Ich bin stolz und glücklich und habe endlich Freude am Leben, obwohl ich eine grosse Behinderung habe.»

(Radika kommuniziert durch ihre Tochter Anju oder durch eine Freundin, die ihre Zeichensprache versteht)