40 Jahre ROKPA – Kommen Sie mit!

Die Idee war nicht, ein Hilfswerk zu gründen: Es war ganz einfach der Wunsch, Menschen zu helfen. So haben Dr. Akong Tulku Rinpoche, Lea Wyler und Dr. Veit Wyler vor vierzig Jahren den Grundstein für ROKPA gelegt. Alle Menschen, die uns seither auf diesem Weg begleitet haben oder begleiten, tragen diese Motivation und die Werte von ROKPA in sich, wie auch die Überzeugung, dass Kleines Grosses bewirken kann. Denn wir glauben, dass jeder Mensch einem anderen helfen kann – und dass dies der Weg aus der Armut ist. Gerade jetzt während der Corona-Krise ist es umso wichtiger, dass wir weltweit zusammenhalten und uns gegenseitig unterstützen. 

Für das diesjährige Jubiläumsjahr haben wir Verschiedenes geplant, mussten die Aktivitäten wegen des Corona-Virus jedoch pausieren. Denn wie alle, haben auch wir momentan nur einen Wunsch: Dass das Virus eingedämmt wird und dass wir alle gesund bleiben. ROKPA tut alles, um auch jetzt für armutsbetroffene Menschen da zu sein. Helfen Sie uns dort zu helfen, wo jetzt Hilfe dringend nötig ist. Gemeinsam können wir diese Krise meistern. Wir freuen uns schon sehr darauf, wenn wir die Krise überstanden haben und mit Ihnen zusammen 40 Jahre ROKPA feiern können. Für Ihre Treue über all die Jahre danken wir Ihnen von Herzen. Bleiben Sie gesund und bis bald!

Zwischenzeitlich ein paar Bilder aus den Anfängen. Viel Vergnüngen!

Essensverteilung in den frühen Neunzigern

Auf dem Boden, ohne Infrastruktur: So sah die Essensverteilung ohne Gassenküche zu Beginn aus. Vor dreissig Jahren entstand die Gassenküche in Boudha, und damit das erste Projekt in Nepal – direkt neben der Stupa, dem berühmten Wahrzeichen von Nepal. Angefangen hatte hier alles mit der Verteilung von Essen an die Bettler und Menschen mit Behinderung.

 

Der Anfang vom Helfen

Auf der Pilgerreise 1979/80 in Sikkim (Indien) begann alles: Dort begegnete Lea Wyler unzähligen bedürftigen Menschen. Zurück in der Schweiz wurde ROKPA gegründet und anschliessend alle Kräfte gebündelt, um die ersten Spender und Spenderinnen für Notleidende zu finden. Die ersten Patenschaften in Nepal und Indien, später auch in den tibetischen Gebieten Chinas, entstanden. Rund 1’900 Personen hat ROKPA durch Einzelpatenschaften in der Vergangenheit unterstützt.

 

Dr. Akong Tulku Rinpoche

Dr. Akong Tulku Rinpoche, Mitgründer und Präsident von ROKPA, widmete sein ganzes Leben Menschen, die unter Armut und Krankheit leiden.

In der Folge des Tibetischen Volksaufstandes in China flieht er 1959 in einer Gruppe von dreihundert Tibetern nach Indien. Die Flucht dauert zehn Monate und ist geprägt von Hunger, grössten Entbehrungen und Lebensbedrohung. Die Gruppe hat schon bald nichts mehr zu essen - in ihrer Not kochen sie das Leder ihrer Schuhe, um wenigstens etwas Nahrung zu gewinnen. Aus der Gruppe mit 300 Menschen gibt es nur dreizehn Überlebende.

Beeinflusst durch diese schrecklichen Ereignisse, beschliesst Akong Rinpoche, den Menschen zu helfen, die unter Armut, Krankheit, Angst und seelischen Qualen leiden. 1967 gründet er zusammen mit Chögyam Trungpa Rinpoche das erste tibetisch-buddhistische Zentrum in Schottland.

Während mehr als 30 Jahren setzte er sich für die Projekte von ROKPA ein – vor allem in den tibetischen Gebieten Chinas, aber auch in Nepal und Afrika.

Veit Wyler

„An einem Ort wo kein Mensch ist, versuche du, Mensch zu sein“, sagte Veit Wyler zu seiner Tochter Lea. Dank seinem ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit, gepaart mit seinem Beruf des Anwalts, rettete der Mitgründer von ROKPA während des Zweiten Weltkrieges immer wieder jüdische Flüchtlinge und half ihnen. Er setzte sich stark für die Aufnahme der Verfolgten ein. Veit Wyler unterstützte seine Tochter und ROKPA bis an sein Lebensende in jeder möglichen Form. 

 

Lea Wyler

Was hat dich während den 40 Jahren angetrieben?

Der Wille, möglichst vielen Menschen auf der Welt zu helfen – vor allem Kindern.

Besitzt du eine geheime Superkraft, die dir dabei geholfen hat?

Nein, sicher keine Superkraft. Aber ich hatte und habe außergewöhnliche Vorbilder: Dr. Akong Tulku Rinpoche, der jedem half, der ihn darum bat und für den das Wohlergehen anderer sein Leben bestimmte. Dann meine Eltern. Sie lebten mir vor, dass man nicht nur für sich selbst auf der Welt ist. Und die Tatsache, dass ich selber nie der Norm entsprach, hat mich wohl gestärkt.

Inwiefern warst du anders?

Erstens: Meine Mutter war 42, als ich zur Welt kam. Ihre Lebenserfahrung, Liebesfähigkeit und Lebensweisheit haben mich enorm bereichert und mich viel gelehrt. Zweitens: Ich war die einzige Jüdin in der Klasse und wurde als solche gemobbt. Drittens: Ich wurde Schauspielerin – auch nicht die Norm. Und so war ich eigentlich lebenslang eine Außenseiterin und bin stets gegen den Strom geschwommen. Das war nicht leicht aber dafür spannend. Ich erlebte so vieles was anderen vorenthalten war. Und all diese Begebenheiten und Erfahrungen zeigten mir, dass fast nichts unmöglich ist wenn man es genug will.

Waisenhaus Yushu

In den 90er-Jahren startete ROKPA mit den ersten Bildungsprojekten in den tibetischen Gebieten Chinas. Das Waisenhaus in der Provinz Qinghai, China (Ost-Tibet), war eines davon und wurde 1993 durch Dr. Akong Tulku Rinpoche gegründet und von ROKPA erbaut. Hier wurden Kinder aus den ärmsten Familien aufgenommen, die zusätzlich zur Schulbildung in tibetischer Medizin ausgebildet wurden. Ein grosser Teil der Menschen in dieser Region ist bettelarm, weshalb sie ohne medizinische Versorgung häufig an den Folgen von Arbeitsunfällen oder Krankheiten sterben. Daher die hohe Anzahl Waisenkinder. Die ehemaligen Schüler arbeiten heute als Ärzte in entlegenen Gebieten, wo es ohne sie oft keine Ärzte gäbe. Nach dem Erdbeben 2010 wurde die Schule von der Chinesischen Regierung übernommen und weitergeführt.

Frauenkloster Kepcha

Klöster sind in den tibetischen Gebieten Chinas mehr als religiöse und kulturelle Zentren: Sie sind heute wohl der einzige Ort, an dem das kostbare Wissen und die Sprache der Tibeterinnen und Tibeter erhalten bleibt. Sie sind auch ein soziales Auffangnetz und oft die einzige Möglichkeit, lesen und schreiben zu lernen.

Kepcha ist ein ganz besonderes Frauenkloster: Es liegt fernab und somit ohne Einfluss von aussen auf ca. 4‘000 M ü. M. Hier blieb eine Meditationspraxis erhalten, die es heute weltweit nur noch dort gibt. Die Frauen kommen aus ärmsten Familien und leben hier unter harschen Lebensbedingungen. Es ist schwierig für sie, ihre Grundbedürfnisse zu decken. ROKPA unterstützt den Erhalt dieser alten und heilsamen Kultur und Lebensweise seit Jahren.

ROKPA Kinderhaus

Es ist im Jahr 1990, als Lea Wyler die ersten sieben nepalesischen Strassenkinder aufnimmt, zu ihrer „Mutter“ wird und sie in Heimschulen unterbringt. Sechs Jahre später wird in Boudha (Kathmandu) ein Haus gemietet und das ROKPA Kinderhaus mit Platz für 35 Kinder eröffnet.

2005 schliesslich entsteht das eigene ROKPA Kinderhaus: Ein Ort für rund 65 Kinder, an dem sie sich geborgen fühlen können, wo sie liebevoll gepflegt werden und eine Herzens- und Wissensbildung erhalten. Hier wachsen sie zu selbstbewussten Menschen heran, die nie mehr betteln müssen. Geleitet wird es von ehemaligen ROKPA Kindern, die dort selber aufgewachsen sind und genau wissen, was diese Kinder brauchen.

ROKPA in Tibet

Die tibetischen Gebiete Chinas zählen zu den ärmsten Regionen der Welt. Von der Fläche mit Europa vergleichbar, leben hier nur rund 6 Millionen Menschen von minimaler Land- und Viehwirtschaft. Mit Siedlungen gelegen zwischen 3‘000 und 5‘500 Metern über Meer, ist es das höchste von Menschen besiedelte Gebiet überhaupt.

Zwischen 1990 und 2016 führte ROKPA Projekte in den Bereichen Bildung, Medizin, Umwelt, Nahrungsmittelunterstützung sowie Erhaltung der tibetischen Kultur durch. Die Arbeit hat sich seit dem Verlust des ehemaligen Präsidenten und Mitbegründers Dr. Akong Tulku Rinpoche in 2013 von Jahr zu Jahr erschwert, sodass aktuell lediglich einige wenige Projekte in dieser Region fortgesetzt werden können.

Erfahren Sie mehr über die Anfänge von ROKPA in unserem ersten Film: https://www.youtube.com/watch?v=7579tt5QUpo