Die Gründer von ROKPA

Der Wunsch, anderen zu helfen, ist es, der die drei ROKPA-Gründer – Dr. Akong Tulku Rinpoche, Lea Wyler und ihren Vater, Dr. Veit Wyler – in einer Synergie zusammenbringt. Lea Wyler begegnet Akong Rinpoche erstmals 1974 im Kloster Samye Ling, Schottland. Es ist der Beginn einer aussergewöhnlichen Verbindung.

1979/80 begeben sich die beiden gemeinsam auf eine Pilgerreise nach Indien und Nepal. Beide sind tief berührt von den vielen Kindern, die ohne regelmässiges Essen, in Lumpen, ohne Dach, ohne Zuwendung und ohne Aussicht auf Bildung auf der Strasse leben. Sie erkennen es als ihre Aufgabe, Menschen zu unterstützen, die alles verloren haben. Zusammen mit Lea Wylers Vater, dem Zürcher Anwalt Dr. Veit Wyler, gründen sie daraufhin ROKPA in Zürich.

Dr. Akong Tulku Rinpoche

Unter den bedeutendsten Lamas Tibets, die ihr Heimatland während der Kulturrevolution 1959 verlassen mussten, stach Dr. Akong Tulku Rinpoche durch die aussergewöhnliche Bandbreite seines Engagements für sein Geburtsland hervor.

Im Osten des tibetischen Gebietes Chinas 1939 geboren, wurde er bereits mit vier Jahren als Reinkarnation (Tulku) des ersten Akong, eines heiligen Lamas und Mediziners erkannt und zum Abt von Dolma Lhakang ausgebildet. Mit neunzehn Jahren beendete Dr. Akong Tulku Rinpoche seine religiöse Ausbildung zu einem Lama der Karma Kagyu und Nyingma Linien. Seine bedeutendsten Lehrer waren S.H. der 16. Gyalwang Karmapa und S.E. Jamgon Kongtrul von Shechen. Ausserdem erhielt er eine Ausbildung in der Traditionellen Tibetischen Medizin.

Zusammen mit rund dreihundert Tibetern flüchtete er 1959 nach Indien. Geprägt von den schrecklichen Ereignissen – es gab nur dreizehn Überlebende –, beschloss Dr. Akong Tulku Rinpoche, Menschen zu helfen, die unter Armut, Krankheit, Angst und seelischen Qualen leiden.

Zusammen mit Chögyam Trungpa Rinpoche gründete er 1967 das „Kagyu Samye Ling Tibetan Centre“ in Schottland, das erste tibetisch-buddhistische Lehrzentrum im Westen. Inzwischen gibt es einundzwanzig Zweigstellen (Samye Dzongs) weltweit.

Als Dr. Akong Tulku Rinpoche 1983 für kurze Zeit in die tibetischen Gebiete Chinas zurück reiste, traf er entsetzliche Armut an, Mangel an Bildungsmöglichkeiten und Umweltprobleme. Sofort begann er, Hilfsprojekte zu planen und auszuführen mit dem Ziel, der tibetischen Bevölkerung zu helfen, indem diese lernt, sich selber zu helfen. Er war ferner bestrebt, ihre Sprache und Kultur zu neuem Leben zu erwecken. 

Ein Grossteil seiner Arbeit galt seiner Funktion als Mitbegründer und Präsident von ROKPA INTERNATIONAL. Zusammen mit Lea Wyler bereiste Dr. Akong Tulku Rinpoche jährlich mehrere Monate lang die tibetischen Gebiete Chinas, um vor Ort über 120 ROKPA-Projekte zu besuchen. Am 8. Oktober 2013, kurz vor einer weiteren Reise in die Projekte, wurde Rinpoche in Chengdu, China, Opfer eines Gewaltverbrechens und verstarb.

Dr. Akong Tulku Rinpoche war mit einer Tibeterin verheiratet und hinterlässt vier Kinder.

Lea Wyler

Eigentlich hatte Lea Wyler andere Pläne. Doch der Schock, den der frühe Tod der Mutter in ihr auslöste, bedeutete für die erfolgreiche Zürcher Schauspielerin eine Kehrtwende in ihrem Leben. Sie erinnert sich an die Worte des hohen tibetischen Lamas, Arztes und Meditationsmeisters Dr. Akong Tulku Rinpoche, der ihr 1980 auf einer gemeinsamen Reise durch Indien und Nepal einen für sie noch heute bestimmenden Satz mit auf dem Weg gab: "Die beste Art, dir selber zu helfen, ist es, in der Hilfe für andere aufzugehen."

Begegnungen mit einem blinden Knaben, einem verkrüppelten leprakranken Bettler und einem kleinen, vom Hunger zermarterten Mädchen wurden für sie zu Schlüsselerlebnissen, die ihr binnen weniger Sekunden eine 'brillante Klarheit' darüber verschafften, was sie mit dem Rest ihres Lebens anfangen wollte: Sie wollte in Nepal, Indien, später auch in den tibetischen Gebieten Chinas und überall dort, wo es nötig war, humanitäre Hilfe leisten. Zurück in ihrer Heimatstadt Zürich, gründete sie zusammen mit Dr. Akong Tulku Rinpoche und ihrem Vater, dem Rechtsanwalt Dr. Veit Wyler, den Verein ROKPA INTERNATIONAL, dessen Motto lautet: "Helfen, wo Hilfe gebraucht wird." Seitdem gilt ihr ganzer Einsatz den ROKPA Projekten weltweit.

Aus Lea Wyler wurde 'Mummy Lea' die in Nepal ein Heim für Strassenkinder gründet, Frauenprojekte initiiert und 1990 eine Gassenküche in Kathmandu ins Leben ruft, die jeweils in der Winterzeit bis heute täglich achthundert Essen ausgibt. In den tibetischen Gebieten Chinas baut sie mit Dr. Akong Tulku Rinpoche Schulen, Waisenhäuser und Kliniken, kümmert sich um medizinische Ausbildungsprojekte, renoviert ein auf ca. fünftausend Meter hoch gelegenes Frauenkloster oder unterstützt Aufforstungsprojekte im tibetischen Hochland.

Jedes Jahr bereist Lea Wyler monatelang die beiden Himalajaregionen, wo sie sich vor Ort über laufende Projekte informiert und, zusammen mit den lokalen Partnern, neue entwickelt. Seit der Gründung sind durch ROKPA Zehntausende von Kindern ausgebildet, hunderttausend Menschen medizinisch betreut und über eine Million Notleidende mit Essen versorgt worden.

Dr. Veit Wyler

1908 im aargauischen Baden geboren, studierte Veit Wyler Rechtswissenschaften in Deutschland und kehrte nach seiner Promotion mit 22 Jahren in die Schweiz zurück, wo er in Zürich – als einer der jüngsten Anwälte – eine Kanzlei eröffnete.

Während des Zweiten Weltkrieges war Veit Wyler als Soldat in Graubünden stationiert und erlebte, wie jüdische Flüchtlinge beim Versuch, über die Bergpässe in die Schweiz zu gelangen, vom Militär abgefangen, ins Gefängnis gesteckt und dann unter dem Motto „Das Boot ist voll“ zurück über die Grenze – meist in den sicheren Tod – geschickt wurden.Viele der verzweifelten Flüchtlinge versorgte er mit Pässen und Visa, er organisierte auf eigene Gefahr abenteuerliche Fluchtwege, damit die Flüchtenden in sichere Länder weiterreisen und so gerettet werden konnten.

Veit Wyler wurde für sein Vorgehen öfters bestraft, konnte aber immer wieder Menschenleben retten. Unbeirrt und konsequent unterstützte er jedes Hilfsgesuch, ohne die Zustimmung der Schweizer Behörden abzuwarten. Darüber hinaus verteidigte er viele Menschen vor Gericht, die wegen Fluchtbeihilfe verurteilt zu werden drohten.

Sein Einsatz galt aber auch der zionistischen Idee. Er gründete 1948 die Monatszeitschrift „Das Neue Israel“, die er fast 40 Jahre lang publizierte. Darüber hinaus bekleidete er zahlreiche Ämter und Funktionen. Er war u.a. Präsident des Schweizerischen Zionistenverbandes, aktives Mitglied im Vorstand der jüdischen Gemeinde Zürich und im Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund (SIG).

Als einer der führenden jüdischen Sachwalter erhielt er im Ausland viele Auszeichnungen und Ehrungen, u.a. 1980 die Ehrendoktorwürde des Weizmann Instituts in Rechovot, Israel.

Als ihn 1980 seine Tochter Lea, die während einer langen Reise in den Himalaya-Regionen das Elend der Menschen gesehen hatte, mit der Idee konfrontierte, eine internationale Hilfsorganisation zu gründen, zögerte er keinen Augenblick, sie in jeder möglichen Form zu unterstützen. Bis zu seinem Tod im Jahr 2002 stand er seiner Tochter Lea und ROKPA jederzeit vorbehaltlos mit juristischem Rat und finanzieller Hilfe zur Verfügung.